Kritiken

„Der Ort war schlicht, die Darbietung grandios. Franziska Mencz und Christian Kaiser mit

,Es geht auch anders, aber so geht es auch".

So heißt die szenische Lesung und Hommage an Bertolt Brecht, mit der die beiden ehemaligen Akteure der Bremer Shakespeare Company einen ungewöhnlichen Auftritt feiern.Christian Kaiser als Brecht in Lederjacke, mit Schiebermütze und Zigarre, sowie Franziska Mencz als Darstellerin der nicht immer beneidenswerten Frauengestalten um den widersprüchlichen Autor und Regisseur brillieren mit einer literarischen Spurensuche auf der Fährte des Getriebenen....Ganz nah am Publikum wird er lebendig: Der Menschenfreund und Despot, der Frauengenießer und Frauenverächter, der Romantiker und Agitator. Die zarte Geste und die herrische Attitüde, anzüglicher Liebeshauch und gesellschaftliche Anklage: All das wird greifbar in der nuancierten Darstellung der beiden Schauspieler; in Liedern zum Akkordeon, in Gedichten und Prosastücken.“

 

Achimer Kurier, 19.11.2007

DIE KREISZEITUNG REGION BRUCHHAUSEN-VILSEN 19.11.2007

Eine Frau und viele Geliebte

 

Brechts Auffassung von Treue entsprach keineswegs der bürgerlichen Moral

 

MARTFELD-HOLLEN (gru) • Zunächst ein gutes Essen, dann sinnliche Genüsse für Auge und Ohr: Mit einem Bertold-Brecht-Abend lockte Erwing Rau am Freitag rund 40 Gäste in die Martfelder ,,Kastanie". Franziska Mencz und Christian Kaiser, Schauspieler der bekannten Bremer Shakespeare Company, zeigten auch die weniger bekannten Seiten des großen Schriftstellers auf.

Die Vorbereitung auf ein Verhör vor dem ,,Ausschuss fur unamerikanische Umtriebe", vor dem sich Brecht im Jahr 1947 verantworten musste, bildete die Rahmenhandlung. Christian Kaiser, der schon rein äußerlich mit Nickelbrille und Schiebermutze Brecht gar nicht so unähnlich sah, zog sozusagen Bilanz des Lebens Brechts: geboren 1898 als Sohn eines Fabrikdirektors, der Literatur, Philosophie und Medizin studierte und zunächst in der Münchner Künstlerwelt lebte, bevor er 1924 als Dramaturg nach Berlin ging.

Brecht, der dem Marxismus nahe stand, emigrierte einen Tag nach dem Reichstagsbrand 1933 zunächst mit seiner Frau Helene Weigel und seinen beiden Kindern nach Österreich, dann in die Schweiz, danach nach Frankreich und später nach Dänemark. Von dort aus ging es aus Furcht vor deutscher Besetzung nach Schweden, Finnland, über Russland in die USA. Erst 1947 kehrte er nach Deutschland zurück, lebte im Berlin der DDR bis zu seinem Tod im Jahr 1956.

Franziska Mencz verkörpert mit Perlenkäppchen und nostalgischem Kleid Brechts Frau neben der er aber noch zahlreiche Geliebte hatte. Frauen wie Marie Rose Aman, Paula Banholzer, Ruth Berlau, Marianne Zoff und Elisabeth Hauptmann fühlte er sich sein Leben lang verbunden. Ihnen widmete er zum Beispiel das Gedicht ,,Fragen", in dem es heißt: ,,Schreib mir, wie du aussiehst! Ist's noch gleich? Schreib mir, was dir fehlt! Ist's mein Arm?"

Seine Auffassung von Treue entsprach damit keineswegs der bürgerlichen Moral. Leicht ,,unanständig" waren denn auch die Gedichte, die das Schauspielerpaar rezitierte: ,,Dies kleine Zucken deines Hinterns, längst erwartet schon! O deines Fleisches List!" aus den ,,Liebesgewohnheiten", von Mencz passend mit dem Akkordeon untermalt, sorgte fur Schmunzeln bei den Zuhörern.

Kein anderer Theatertheoretiker und -praktiker hat wie Brecht massive Sozialkritik gegen die gesellschaftlichen Missstände im Deutschland der angeblich so goldenen 20erJahre so effektvoll auf die Bühne gebracht. Gegen Krieg und Elend hat er mit Wort und Witz gekämpft.

Das SchauspielerDuo zelebrierte sein Leben auf dramatische Art; es war weniger eine Lesung denn ein eigenes Drama, das den Beiden bestens gelang.

Achimer Kurier 19.11.2007

 

 

Achimer Kreisblatt, 20.11.07

 

Bleiche Liebste unter Pflaumen

Heitere BrechtLesung im Atelier Bertzbach mit Schauspielern der Shakespeare Company war Genuss

 

QUELKHORN (kr) • Der Ort war schlicht, die Darbietung grandios. Franziska Mencz und Christian Kaiser von der Bremer Shakespeare Company beehrten eine eingeschworene Fangemeinde im KeramikAtelier von Kathari,na Bertzbach in Quelkhorn mit einer szenischen Lesung.

Dicht an dicht gedrängt saß das Publikum und nahm die harten Sitzbänke in Erwartung eines ungewöhnlichen Kunstgenusses gerne in Kauf. Auch nach der Begrüßung durch eine strahlende Katharina Bertzbach hielt der Publikumsstrom unvermindert an, so dass sich Nachzügler mit Stehplätzen begnügen mussten.

Anlass der Veranstaltung war die traditionelle Herbstausstellung im Keramik-Atelier, die bereits am vergangenen Wochenende für regen Zulauf gesorgt hatte. ,,Glotzt nicht so romantisch,“ rief es in legendären Brecht-Worten von einem Spruchband herunter, unter dem Franziska Mencz und Christian Kaiser auf einer improvisierten Bühne in die Ausstellung gingen und, angetan mit einem 30er Jahre Outfit, das progressive Flair des damaligen Berlins verströmten.

Christian Kaiser, mit Schlägermütze und der typischen Brille, fiel es nicht schwer, in die Rolle des Eugen Berthold Friedrich Brecht zu schlüpfen. Auch 51 Jahre nach dessen Tod ist dessen Geist in der literarischen Welt noch sehr lebendig. ,,Es geht auch anders, aber es geht auch so," titelte die rund einstündige feine Auswahl von Gedichten und Liedtexten, die den großen

Meister noch einmal in der Mitte seiner Anhänger sein Kefc.

Das ,,Ungehörte und Unanständige“ aus der Programmankündigung hörte sich in

der Darbietung der beiden Shakespeare Company-Schauspieler jedoch eher romantisch, kokett, vielleicht ein wenig frivol an. Erinnerungen an die Marie A. handelten von einem blauen Tag im September, als zwei Liebende romantisch unter einem Pflaumenbaum lagerten.

Er hielt sie, die stille, bleiche Liebe, in seinem Arm, wie einen holden Traum. Schmachtend, die flinken Finger über die Tastatur des Akkordeons gleitend, lehnte sich Franziska Mencz an den personifizierten Bertold Brecht, verdrehte verliebt die Augen, als dieser in Erinnerungen schwelgte.

Die Pflaumenbäume, so hieß es weiter, seien längst abgehauen und die Liebe von damals, an die konnte er sich kaum noch erinnern. Nicht einmal ihr Gesicht war ihm im Gedächtnis. Die weiße Wolke jedoch, die damals nur wenige Augenblicke am Himmel verharrte, begleitete ihn in Gedanken sein Leben lang.

Dieses vertonte Lied rührte an, vor allem vor dem Hintergrund, dass Brecht berühmt wurde durch drastische Formulierungen und es ihm ein großes Vergnügen war, sein Publikum hin und wieder zu brüskieren.

Das Werk des gebürtigen Augsburgers birgt aber auch viele humoristische Arbeiten. Den beiden Schauspielern der Company gelang es meisterhaft, die romantische Seite des großen Brecht hervorzukehren und ihm bei al seinem gesellschaftspolitischen Engagement einen liebenswürdigen Touch zu verleihen.

 

 

 

Bert Brechts Poesie auf Katharina Bertzbachs Porzellan

Ausstellungsabend mit szenischer Lesung und Hommage an den Dramatiker / Publikum begeistert

 

Von unserem Mitarbeiter HansDieter Mahlstedt

 

QUELKHORN. ,,Den Kuss, ich hätt' ihn längst vergessen, wenn nicht die Wolke da gewesen wär“ - die Poesie Bert Brechts auf Schriftschalen aus Porzellan. Katharina Bertzbach hatte sie speziell für diesen Ausstellungsabend gestaltet. Wie im Bienenstock drängen sich die Gäste im Wohnraum ihres Ateliers in Quelkhorn, finden schließlich noch letzten Platz zu Füßen von Franziska Mencz und Christian Kaiser.

,,Es geht auch anders, aber so geht es auch", heißt die szenische Lesung und Hommage an Bert Brecht, mit der die beiden ehemaligen Akteure der Bremer Shakespeare Company einen ungewöhnlichen Auftritt feiern.

Christian Kaiser als Brecht in Lederjacke, mit Schiebermütze und Zigarre, sowie Franziska Mencz als Darstellerin der nicht immer beneidenswerten Frauengestalten um den widersprüchlichen Autor und Regisseur brillieren mit einer literarischen Spurensuche auf der Fährte des Getriebenen.

Aufgefädelt an einigen biographischen Eckdaten eines Lebens zwischen künstlerischem Durchbruch im Jahre 1928 mit der ,,Dreigroschenoper", jahrelangem Emigrantenleben, der Rückkehr nach Berlin mit der Gründung des „ Berliner Ensembles" 1949 und dem Tod nach einem Herzinfarkt in der Charité am 14. August 1956 wird der Dramatiker hier seinen eigenen Texten wiedererweckt.

Ganz nah am Publikum wird er lebendig: Der Menschenfreund und Despot, der Frauengenießer und Frauenverächter, der Romantiker und Agitator. Die zarte Geste und die herrische Attitüde, anzüglicher Liebeshauch und gesellschaftliche Anklage: All das wird greifbar in der nuancierten Darstellung der beiden Schauspieler; in Liedern zum Akkordeon, in Gedichten und Prosastücken.

Während drinnen das dicht gedrängte Publikum vor Begeisterung schier aus dem Häuschen gerät, wacht vor dem Atelier der kleine Porzellankönig mit der roten Krone über das künstlerische Treiben. Katharina Bertzbach hat ihn mittels einer hohen Porzellanstele auf seinen Thron gehoben. Seine Form scheint uferlos, die Konturen verschmelzen miteinander.

,,Das liegt am Material“, klärt die Künstlerin auf. Porzellan müsse schnell verarbeitet werden und sei eigentlich kein rechtes Plastiziermaterial, führe ein Eigenleben und verändere sich im Brand. Trotzdem werden die Charaktere ihrer Paarfiguren deutlich. Die Ambivalenz der Beziehungen, der Ausdruck von Geborgenheit und Freiheit, Nähe und Distanz, Stolz und Schwäche, Abstand und Anziehung, Eigensinn und Gemeinsamkeit machen ihre Plastiken zu Trägern menschlicher Paarkonfiguration.

Es sind in ihrer Eigenheit liebenswerte Kreaturen mit offensichtlichem Hang zur Lebenslust. Eine Lebensfreude, die nicht nur die Künstlerin selbst ausstrahlt, sondern die wie selbstverständlich auch im Design und Farbgebung ihrer porzellanenen Gebrauchsgegenstände zum Ausdruck kommt.

Porzellan und Brecht für den Abschluss einer Ausstellung: ein offensichtliches Vergnügen für alle Beteiligten.