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 In der Schwankhalle gibt die Profigruppe um Ralf Knapp mit Alfred Hitchcocks spritzigem Agententhriller "Die 39 Stufen" einen über- zeugenden Einstand. Großes Unterhaltungstheater voller Emotionen. Ein Muss für alle Hitchcock-Fans!  

Hamburger Abendblatt

 In Bremen gelingt Knapp eine turbulente Bühnenshow. Krimi und Komödie mit skurrilen Regieeinfällen und schrägem Humor verzahnt.

taz

 Die Inszenierung lebt vom guten Timing, vom Improvisationstalent und vom sportlichen Einsatz der Darsteller. Die müssen nämlich nicht nur die Rollen permanent wechseln - sie werden mangels Requisiten selbst zu welchen. Da wird dann aus dem Hotelierssohn ein knisternder Kamin und aus zwei Polizisten erst ein Kuhgatter, dann ein Ginsterstrauch und schließlich ein Fluss - eine Leistung, für sich die Premierengäste mit Szenenapplaus bedanken.  

radio bremen

Aus dem Meisterwerk des Vorkriegskinos hat Regisseur Ralf Knapp eine abgedrehte Bühnenshow gemacht.  

 

Saale Zeitung 14. August 2010

 

Spannend bis zur letzten Sekunde

»Sommerlust« Teil 2:

»Die 39 Stufen« nach Alfred Hitchcock vom »Bremer Kriminal Theater

 

BAD KISSINGEN.

Sie müssen viel geprobt haben, die Dame und die drei Herren vom Bremer Kriminal-Theater, kurz „b.k.t.“: Die Bühnenversion von Alfred Hitchcocks 1935 gedrehtem Film „Die 39 Stufen“ ist derart temporeich und von so vielen kurzfristig zu bewältigenden Verwandlungen bestimmt, dass man als Zuschauer schon oft Mühe hat, mit dem Hinsehen hinterherzukommen.
Von den Spielern erfordert das eine solche Präzision, dass man sich oft fragt: „Wie machen die das?“ Die Frage ist hinsichtlich der Qualität sehr einfach zu beantworten: Sie machen es ganz hervorragend. Die Kriminalkomödie, die an diesem Wochenende im Programm der „Sommerlust“ zu sehen ist, bleibt in der Aufführung der Bremer Truppe von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend, steckt voller Überraschungen und – was die Ausstattung angeht – lustiger Einfälle, ist witzig und unterhaltsam. Das liegt nicht zuletzt an der Lebendigkeit, mit der das vierköpfige Ensemble unter der Regie von Ralf Knapp spielt.


Die Krimi-Story wird zur echten Komödie

Gezeigt wird eine Kriminalstory, die in der Theaterversion zu einer echten Komödie, fast einer absurd wirkenden Persiflage auf die Leinwandthriller Hitchcock‘scher Machart wird. Das liegt zum einen daran, dass auf der Theaterbühne Schnitte, die im Film möglich sind, nicht darstellbar sind: Da muss man sich etwas einfallen lassen. Wenn beispielsweise die Hauptfigur Richard Hannay (dargestellt von Christian Kaiser) durch ein Fenster eine Szene auf der Straße beobachtet, lässt man diese halt in einer andren Ecke der Bühne kurz aufleuchten.


Ulkige Bewegungen

Das muss kein Notbehelf sein; es wird hier zu einer eigenen, grotesk-witzigen Idee: Die beobachteten Figuren, die eigentlich selber gefährliche Beobachter des Beobachters sind, tauchen in ulkigen Bewegungen mit einer platten Papplaterne im Arm auf und verschwinden wieder – und zwar jedes Mal, wenn Hannay seinen Blick zum Fenster wendet. Das ist an dieser Stelle unglaublich komisch.
Oder es müssen, um Schnitte anzudeuten, Kulissen schnell gedreht werden: Es wirkt völlig abstrus, wenn man eine Tür samt Rahmen von einem Moment auf den nächsten von der Rückseite sieht und die Akteure in genau festgelegten Schritten plötzlich davor und gleichzeitig dahinter stehen.


Wenige Requisiten
Zum andern liegt es an den Requisiten: Außer einem roten Sessel und drei schwarzen Kästen in Mehrfachverwendung sind alle benutzten Gegenstände (Tabakpfeife, Telefon und Pistolen) überdimensional gezeichnet und auf Pappe aufgezogen: alles Karikaturen. Dann sind da die vielen kleinen Vier-Mann-Massenszenen, in denen sich in einer Art Choreografie des Wahnsinns durch winzige Schrittchen Situationen komplett verändern und Spieler ihre Identität wechseln. Und die eingespielten Musiken zu Hitchcock-Filmen (mit wiederkehrendem Liebesmotiv mit Geigen und Harfenklängen plus Rotlicht auf der Szene) sowie angedeutete Zitate aus den Klassikern des Meisters tun ein Übriges.

Herrlich surreal
All das macht die ohnehin recht wenig glaubwürdige Geschichte von Richard Hannay, dem während einer Show des Gedächtniswunders Mr. Memory (Christian Aumer) im Palladium-Theater die Spionin Annabelle Smith (Franziska Mencz) in die Arme sinkt, welche wiederum am nächsten Morgen tot in seinem Appartement gefunden wird, weil sie einem Spionagering um den seltsamen Professor Jordan (Martin Leßmann) auf die Spur kommen will, so herrlich surreal.
In erster Linie aber ist es das Ensemble, das durch seine Genauigkeit und Spielfreude für gute Unterhaltung, herrlich lädierte Spannung und herzliches Gelächter sorgt. Christian Kaisers Richard – er ist der Einzige, der, äußerlich ein wenig an John Cleese als Archie Leach in „Ein Fisch namens Wanda“ erinnernd, nur eine Rolle spielt – kann so wunderbar einfältig sein, aber auch fordernd oder lakonisch. Christian Aumer, der vom manisch wirkenden Gedächtniswunder zum Polizisten, zur Professorengattin oder zur Baumwurzel wechselt, hat sichtlich Spaß an diesen Metamorphosen. Martin Leßmann, böser Professor, wortkarger und pietistisch spaßbremsender Schäfer im schottischen Hochmoor, zugleich Milchmann und etliches mehr, merkt man die Lust am minutiös durchgeplanten Klamauk ebenfalls an. Und Franziska Mencz überzeugt sowohl als verzweifelte Annabelle, als auch in der Rolle der zuweilen widerborstigen Pamela, die den vermeintlichen Mörder an die Polizei ausliefern möchte, irgendwo aber doch etwas für den gut aussehenden Mittdreißiger empfindet.


Wem gehört der Arm?
Eine Frage nimmt man mit nach Hause: Zu wem gehört der weiß behandschuhte Arm, der aus dem Hintergrund schießt, während alle vier auf der Bühne stehen? Bleibt noch, der Truppe viel Erfolg zu wünschen: Die Kissinger Aufführung war eine Premiere. In Bremen, wo das b.k.t. eigenständiger Betrieb im Kulturzentrum „Schwankhalle“ werden wird, ist die Inszenierung erst ab 2. Dezember zu sehen. Christian Dijksta

 

 

 

 

 

Mainpost vom 14. August 2010

 

Mehr Komödie als Krimi

Sommerlust: Spannende Inszenierung von Hitchcocks „Die 39 Stufen“

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Von unserem Redaktionsmitglied

URSULA LIPPOLD

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BAD KISSINGEN

Wer Hitchcocks Film „Die 39 Stufen“ kennt, hat am Donnerstagabend vielleicht einen spannenden Krimi bei der Sommerlust – diesmal wieder im Kurtheater – erwartet.

Doch hier ging es weniger um mörderische Spannung als vielmehr um eine fesselnde Inszenierung. Mehr Komödie als Krimi, jagte ein Gag den anderen. Was die vier Schauspieler des Bremer Kriminal-Theaters an Verwandlungskunst und Akrobatik boten, war eine respektable Leistung. Mit unglaublich wenigen Mitteln schafften sie es, in schneller Abfolge Räume, Landschaften und Szenen entstehen zu lassen. Dabei half der Kostümwechsel ebenso wie die Wandlungsfähigkeit der Stimmen, das Einspielen von Geräuschen, Ansagen und Musik.

Das Stück lebt von Improvisation, die gut einstudiert war. Die Mimen schlüpften in rund 50 Rollen, wobei Richard Hannay (Christian Kaiser) mit nur einer Rolle, nämlich als verdächtigter Mörder gefordert war. Er wurde von Agenten gejagt, konnte im letzten Moment immer wieder entfliehen. Einen turbulenten Rollenwechsel hatten Christian Aumer, Martin Leßmann und Franziska Mencz zu bestehen. Blitzschnell wurde aus dem Bahnfahrer ein Schäfer, aus dem Hotelier ein Polizeichef. Bewegungen und Einsätze waren gut abgestimmt, die Kostüme griffbereit. Fantasiereich waren die körperlichen Darstellungen mangels großartiger Requisiten: zwei Männer verbogen sich zu einer Felsspalte. Dann verwandelten sie sich in einen Fluss, den Hannay durchschwimmen musste. Als sie zu Ginstersträuchern mutierten, blieb der Gejagte an ihnen hängen.

Immer wieder gab es Szenenapplaus. Spartanisch war die Ausstattung:

ein roter Ledersessel, eine bewegliche Tür und Kisten, die zu Auto oder Eisenbahn umfunktioniert wurden. Ein Schmunzeln lockten selbst gebastelte Pfeife, Dolch oder Kaktus hervor. Das Bremer Kriminal-Theater hat Hitchcocks Krimi eigens für das Kissinger Freilichttheater einstudiert, die Proben dazu begannen erst im Mai. Und die müssen sehr intensiv gewesen sein, denn die Premiere war ein Erfolg, wie die Begeisterung der knapp 200 Besucher zeigte.