DER GELDKOMPLEX von Franziska zu Reventlow

bearbeitet, gelesen und gespielt

von Charlotta Bjelfvenstam und Christian Kaiser

 

Ein kurzweiliger und amüsanter Abend zum Thema Geld - all denen gewidmet, deren Gedanken sich immer nur um das eine drehen.

Was tun, wenn die Kredite aufgebraucht, die Wohnung gekündigt und die Einrichtung gepfändet ist? Wenn die Gönner einen im Stich lassen und man das herrliche Leben nicht mehr angemessen in Saus und Braus genießen kann? Und immer neue Leute auftauchen, die nur das eine wollen: Geld, Geld, Geld und noch einmal Geld!

F. zieht sich in eine exklusive Nervenheilanstalt zurück, um hier in aller Ruhe ihr in Aussicht stehendes Erbe abzuwarten und neue Bekanntschaften zu genießen: einen manischen Investor und spleenigen Bankrotteur, einen versoffenen russischen Fürsten, eine exaltierte Witwe – und nicht zuletzt zwanzig seekranke Kühe! Zusammen schmiedet man verwegene Pläne, um endlich das ganz große Geld zu machen...

Ich bin nicht nervenkrank, nicht einmal besonders nervös, ich habe nur einen „Geldkomplex“. Es gibt Momente, wo Leute anfangen zu beten. Und es gab einen Moment wo ich anfing zu beten.“

 

 

Franziska zu Reventlow (1871 - 1918) litt zeit ihres Lebens an chronischem Geldmangel. Ironisch widmete sie ihren satirischen, mit biographischen Elementen gespickten Roman „der Geldkomplex“ ihren Gläubigern. Fanny Gräfin zu Reventlow, wie sie damals hieß, stammte ursprünglich aus einer norddeutschen, aristokratischen Familie. Schon früh wuchs ein großer Wunsch in ihr: Endlich von zuhause weg und malen! Und die Kunst zum Beruf machen. Allein das galt in ihren Kreisen schon als anrüchig. Mitten in der piefigen Kaiserzeit begehrte die „Schwabinger Skandalgräfin“ gegen jegliche Moralvorstellung auf und setzte ihre persönliche Freiheit und Eigenständigkeit an oberste Stelle. So war sie nicht nur eine geschiedeneFrau mit einem unehelichen Kind,sondern schlug sich alleine in den verschiedensten Berufen durch: Als Schriftstellerin, Übersetzerin, Lehrerin,Glasmalerin, Versicherungsvertreterin, Schauspielerin und wenn gar nichts ging – sogar als Gelegenheitsprostituierte. Fast hundert Jahre nach seiner Veröffentlichung liest sich „der Geldkomplex“ wie ein ironischer Kommentar zu der „wirtschaftlichen Krisis“ von heute:Jeder Tag bringt neue Hiobsposten von verkrachten Unternehmungen, schurkischen Aufsichtsräten(...), ruinierten Aktionären (...) Man ist beständig von Leuten umringt, die über Hypotheken, Bodenwerte, Aktien, gestohlene Depositen, sichere und unsichere Papiere reden.