Pressestimmen

KIELER NACHRICHTEN vom 26. April 2010 von GUT GEGEN NORDWIND

Lesung mit zwei Laptops

Aus einer zufälligen E-Mail-Bekanntschaft entwickelt sich Freundschaft und mehr: Franziska Mencz und Christian Kaiser machten aus einer Lesung im Literaturcafe einen kleinen Theaterabend

Neumünster.     „Gut gegem Nordwind"  - die szenische Lesung des E-Mail-Romans von Daniel Glattauer über eine falsch versendete Mail und die sich daraus entwickelnde Brief-Beziehung  von  Emmi und Leo lud beim Literatur-cafe in Einfeld zum Genuss.

Die Schauspieler Franziska Mencz und Christian Kaiser verwandelten den Roman in kleiner Kulisse mit Sessel (sie), kantigem Schreibtisch (er) und zwei Laptops in einen lebendigen Dialog. „Prring" -der Klimperton heißt ..neue Mail". auf die es zu reagieren gilt. Kaiser liest die Anfänge seiner Mails, Franziska Mencz übernimmt   fließend.   Fläzt sich je nach Mailinhalt mal jugendlich-beleidigt quer über je Sesseüehnen, hockt dann nachdenklich im Schneidersitz, nestelt am Ausschnitt, dreht an den Locken, lächelt in den Monitor, als sähe sie verliebt ihr Gegenüber an. Christian Kaisers Sprachpsychologe Leo ist ein konzentrierter, nur vorsichtig Gefühle entfaltender Typ, der selbst im angetrunkenen Nuschel-zustand die Contenance nicht völlig verliert.

Das Publikum im seit drei Wochen ausverkauften Cafe folgte der anfangs lockerleichten Liebesgeschichte bis zum Schluss gebannt. Für Zuhörer, denen das Ende ohne guten Ausgang zusetzte, hatte Organisatorin Claudia Toppe eine beruhigende Nachricht: „Es gibt einen zweiten Band, den Sie in wenigen Wochen in der Bücherei ausleihen können. "

Inzwischen ziehen die Lesungen in Einfeld auch Gäste aus Hamburg an. Für Dauergäste der literarischen Abende gehört die Verwandlung der Stadtteilbücherei passend zur Textvorlage zum erwartbaren Service von Toppe und Team. Neulinge entdecken dagegen im Gestaltungskonzept, zu dem dieses Mal blaue, grüne und mit Blumen gemusterte Tuchbahnen, moderne Lampen und Fingerfood gehörten, ein Alleinstellungsmerkmal, das es so im Land kein zweites Mal gibt. bk

 

"Ostholsteiner Anzeiger" vom 18.6.10.

Von knisternden E-Mails und alten Pyjamas

„Gut gegen Nordwind": Eine szenische Lesung lebte von den gewitzten Worten eines Bestsellers - und offenbarte auch Abscheu vor Comic-Schlafanzügen

EUTIN Sie sind süchtig. Sehnsüchtig: Jeden Morgen, jeden Abend warten sie auf das „Pling!", das neue elektronische Post ankündigt. Zwei völlig Fremde führt ein Tippfehler, zusammen, aus einem anfänglich lockeren Geplänkel per E-Mail wird mit der Zeit ein Tanz der Fingerkuppen über die Tastatur, begleitet von heftigem Herzklopfen.

„Gut gegen Nordwind" diesen Bestsellerroman von Daniel Glattauer machten Christian Kaiser und Franziska Mencz am Mittwochabend als szenische Lesung in der Kreisbibliothek anschaulich. Mit bequemer Nickihose und dicken Kuschelsocken hockte Mencz als Emmi Rothner vor ihrem Laptop. Kaiser verkörperte Leo Leike, saß auf derselben Bühne, ebenfalls vor einem Computer, gewandet in einen beigefarbenen Schlafanzug und schwarze Lederpuschen.

Die Schauspieler waren einander nah, doch saßen sie voneinander abgewandt, sahen den anderen nicht. So wie die Protagonisten ihres Romans: Emmi will ein Zeitschriftenabonnement abbestellen. Versehentlich tippt sie einen falschen Buchstaben und landet im E-Mail-Postfach von Leo Leike. Zwischen den Unbekannten beginnt ein virtuelles Wortgefecht, das die beiden „Pling!"für Pling sehnsüchtiger macht.

„Das war jetzt eher hyperventiliert als geschrieben",schreibt Sprachpsychologe Leo,dessen Beziehung gerade zum wiederholten Mal gescheitert ist „Sie sollten mich mal hyperventilieren sehen", schreibt Emmi zurück, die mit dem 14 Jahre älteren Bernhard verheiratet ist, der zwei Kinder in die Ehe mitgebracht hat. „Ja ich will! Ja ich will! Ich will E-Mails von Leo!" tippt Emmi ein, nachdem ihr „Brieffreund" gestanden hat: „Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie."

Es schleicht sich ein Knistern in die Korrespondenz: „Tragen Sie einen Pyja-ma?", fragt Emmi. „Schlafen Sie vielleicht nackt?", stellt Leo die Gegenfrage. „Soll ich mir einen neuen Pyjama kaufen?", bietet Leo an, nachdem Emmi einige Tage nicht geantwortet hat.

Mal lachend, mal nachdenklich verfolgten die über 70 Zuschauer die szenische Lesung, erlebten das Wechselspiel der Gefühle der Protagonisten. Offensichtlich bei Emmi: Augenrollend, stirnrunzelnd oder freudestrahlend stellte Franziska Mencz die temperamentvolle junge Frau dar, die immer mehr ins Strudeln gerät, sich zwischen ihren beiden Leben - Mutter und Ehefrau auf der einen Seite, Abenteurerin in der E-Mail-Liebe mit Leo - nicht entscheiden will. Subtiler hingegen war das Spiel von Christian Kaiser. So wie die männliche Romanfigur lange nicht über Gefühle spricht und sich eher bedeckt hält, haute Kaiser scheinbar emotional unbewegt in die Tasten, und ließ seine Mitspielerin die E-Mail Leos vorlesen:

„Ich möchte Sie küssen, Emmi, Schreiben ist wie küssen mit dem Kopf."

Die Darstellung löste unterschiedliche Reaktionen bei den Zuschauern aus, sogar innerhalb einer Familie: „Das ist mehr etwas für Leute, die das Buch nicht kennen", war die Meinung von Hanna Will, die den Roman schon gelesen hatte. „Es wird ja eigentlich nur vorgelesen und ich weiss immer schon, welcher Witz kommt", sagte die 22-Jährige, die gemeinsam mit Mutter und Schwester im Publikum saß. Mama Barbara Will hingegen, auch Kennerin des Buches, fand die Inszenierung „total nett und mal etwas ganz Anderes." Für die zweite Tochter, Andrea Reis, war die Handlung ganz neu: „Ich finde die Darstellung sehr gut. Und ich muss die ganze Zeit an meinen Mann denken: Der sollte sich auch mal einen neuen Pyjama kaufen. Jetzt hat er einen mit Homer Simpson drauf - der gefällt mir überhaupt nicht", erzählte die 29-Jährige lachend.

Ob Emmi und Leo es wagen, ihre virtuelle Beziehung real werden zu lassen - das wird nicht verraten. Nur so viel: Die witzigen und wortgewandten Dialoge machen „Gut gegen Nordwind" in jeder Form zum Vergnügen.

Dorthe Arendt

 

 

KREISZEITUNG WESERMARSCH: 6.2.2010

„Sie sind bei mir falsch, Frau Rothner"

Franziska Mencz und Christian Kaiser zeigen „Gut gegen Nordwind" auf spielerische Weise

Die Schauspieler überzeugten mit Witz und Charme. Rund 40 Gäste waren gekommen.

VON TANJA MIKULSKI

BRAKE - „Ich möchte mein Abonnement kündigen, geht das?" Mit mehreren E-Mails dieser Art hat die Liebesgeschichte von Emmi Rothner und Leo Leike begonnen.

Bei der szenischen Lesung des Bestsellers „Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer ging es an diesem Donnerstag im Schiffahrtsmuseum in Brake recht heiter zu. Franziska Mencz (Emmi Rothner) und Christian Kaiser (Leo Leike) stellten ihr schauspielerisches Können unter Beweis und ließen die 40 Zuschauer teilhaben an dem E-Mail-Verkehr zwischen der verheirateten Emmi Rothner und Leo Leike, der gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich hat. Eigentlich will Emmi Rothner nur ihr Abonnement der Zeitschrift „Like" kündigen, schickt jedoch versehentlich die E-Mails an Leo Leike. „Ich habe einen I-Feh-ler", begründet sie ihr Vorgehen. „Immer, wenn ich ein ,i' tippen will, rutscht mir ein ,e' dazwischen."

Die beiden Protagonisten schicken sich immer öfter E-Mails, bis Leo Leike nach einigem Zögern vorschlägt, dass sie sich in einem Cafe treffen können, ohne vorher bekannt zu geben, wie sie aussehen, da Emmi „Angst hat, dass er ihr nicht gefallen würde". Gesagt, getan, rätseln beide, wer wohl Emmi Rothner beziehungsweise Leo Leike gewesen sein könnte, verraten sich dieses Geheimnis schließlich und stellen fest, dass sie sehr wohl Gefallen an der mysteriösen Person hinter dem Computer finden.

Franziska Mencz, die derzeit in Bremen lebt, und Christian Kaiser, der als freier Schauspieler in Berlin tätig ist, spielten sich mit Witz und Charme in die Herzen des Publikums, das gar nicht genug lachen und applaudieren konnte. Im Laufe der szenischen Lesung konnten die Zuschauer den Wandel von Emmi Rothner verfolgen, die am Anfang noch ein wenig zurückhaltend war, sich später allerdings immer lockerer gab und verspielt eine Haarlocke drehte, wenn sie die E-Mails von Leo Leike bekam.

Auch bei ihm war der Wandel vom anfangs eher Genervten zu einem Leo Leike, der sich auch mal traute, etwas anzüglichere Mails zu verschicken, erkennbar. Durch das abwechselnde Vorlesen der E-Mails und dem spielerischen Können wurde „Gut gegen Nordwind" glaubwürdig umgesetzt.

 

 

Moderne Fernbeziehung: Franziska Mencz und Christian Kaiser'kommunizieren in der Rolle von Emmi und Leo ausschließlich per E-Mail.