Götterspeise

Leckerbissen aus den Metamorphosen des Ovid

Mit Barbara Kratz und Christian Kaiser, als Gast Publius Ovidius Naso
Regie: Susanne Kartusch
Assistenz: Felicitas Mai
Bühne: Stefan-Dan Sloboda
Kostüme: Stefan-Dan Sloboda und Martina Mogilka


I.Dryope

In einem tiefen grünen Wald wachsen die schönsten Blumen. Die Sonne scheint darauf und die Kelche öffnen sich, so daß man darinnen die herrlichsten Farben sehen kann. Dryope, die mit Kind und Schwester daran vorbeigeht, kann nicht widerstehen und pflückt ein Sträußchen. Plötzlich aber wachsen ihre Füße am Waldboden fest, sie kann sich nicht mehr bewegen, über ihre Beine wächst Rinde, sie verwandelt sich in einen Baum...

 

II.Phaeton

Phaeton, der Sohn des Helios, hat es schwer. Niemand glaubt ihm, daß sein Vater der Sonnengott ist. Von Zweifeln getrieben macht er sich auf die Reise ans Ende der Welt, um seinen Vater zu suchen.
Der Weg ist lang und beschwerlich, aber endlich erreicht er das Schloß des Sonnengottes, das im hellsten Licht erstrahlt.
"Vater," fleht er, "gib mir ein Pfand, das mich sicher beglaubigt als deinen Sohn, und nimm meinem Herzen den irrenden Zweifel!"
Der Vater verspricht ihm, was immer er sich wünsche, und da wünscht sich Phaeton, einen Tag lang mit dem Sonnenwagen fahren zu dürfen. Kaum hat er die Zügel in die Hand genommen, jagen die wilden Pferde los; sie spüren Helios' starke Hand nicht mehr und werfen den Wagen hin und her, von Nord nach Süd, so daß die Sterne fliehen, die Meere kochen, die Erde in Brand gerät.
Jetzt kann nur noch der höchste aller Götter, Jupiter, helfen...

III. Narziß und Echo

Die Nymphe Echo erfüllte, als sie noch tanzend durch die Wälder hüpfte, die Haine und Dickichte mit ihrem fröhlichen, nicht auszuhaltenden Geplapper. Tiere und Menschen flohen vor ihr und die Milch der Kühe wurde schlecht. Um dem ein Ende zu bereiten, verzauberte die Göttermutter Juno sie: fortan konnte sie nur das wiederholen, was ein anderer schon gesagt hatte.
Es kehrte Ruhe ein in den Wäldern.Es war so still, daß man die Tannennadeln fallen hörte.
Da, hinter einer Pappel, huschte Narziß auf der Pirsch vorbei, der schönste Jüngling weit und breit. Seine schneeweiße Alabasterhaut blinkte in der Morgensonne und mit gazellenleichtem Fusse jagte er dem Wilde nach. Augenblicklich verliebte sich Echo...
Narziß lief in den Wald und kam an einen Teich. Er setzte sich nieder, um sich einen Dorn, den er sich in den Fuß getreten hatte, herauszuziehen.
Dabei fiel sein Blick auf die spiegelglatte Oberfläche des Sees...

IV. Die lykischen Bauern

In einem Teich in Lykien stehen Bauern, die Schilf und Binsen schneiden.
Des Wegs kommt eine Frau, die hat zwei Kinder auf dem Arm und ist schrecklich durstig. Doch die Bauern verweigern ihr, aus dem Teich zu trinken, ja, sie wühlen den Schlamm vom Grunde auf, um das Wasser ungenießbar zu machen. Die Fremde aber ist die Göttin Latona, und während die Bauern im Teich wühlen, spricht die Göttin einen Fluch...

V.Deukalion und Pyrrha

Das Ehepaar Deukalion und Pyrrha, die einzigen guten Menschen auf der Welt, überleben die Große Flut in einem schwankenden Nachen. Doch als die Wasser abgelaufen sind, finden sie sich mutterseelenallein auf der Erde wieder. Da befragen sie in ihrer Not das Orakel, das spricht:
"Entfernteuchvomtempelverhülletdas
hauptundlösetderkleiderumgürtung.
Hintereuchwerfetsodanndermutterder
großenge-
beine."

Was tun...?


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